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Dodge Ram 1500 4x4 Quad Cab Crew Cab Sport

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„Das Monsterauto macht mir Angst“, beklagt sich ein kleiner Junge im Vorbeigehen und versteckt sich schnell hinter dem Papa. Obwohl der Vater seinen Sohn beruhigt, dass das Auto nicht tue und die glotzenden Totenschädel bloß Aufkleber seien, ist dem Knirps der gewaltige Laster nicht so recht geheuer. Kein Wunder, immerhin sind die gruseligen Verzierungen so groß wie er selbst. 

Erst als wir den Hemi anwerfen entspannt sich die Lage.

Durch die Magnaflow-Auspuffanlage kommt der V8-Sound besonders satt und bassig im Ohr an und bringt den Vater zum Lächeln. Auch sein Sprößling lauscht so gebannt, dass er die unheimliche Aufmachung des RAM glatt vergisst. Steigern lässt sich der Effekt, indem man die elektrisch betätigte Cut-Out-Klappe öffnet: Dann werden die Abgase direkt hinter den Katalysatoren ungedämpft ins Freie entlassen. Ein Höllenlärm und eine Mordsgaudi, auf öffentlichen Straßen heißt es aber leider „Klappe zu“. Keine Frage, der von Büsching Tuning aufgemotzte (hier darf man das Wort benutzen) RAM fällt auf wie der sprichwörtliche bunte Hund. Millimetergenau wurde der Pickup von vorn bis hinten tapeziert uns sieht jetzt aus wie nach einer Ganzkörpertätowierung. „Wir wollten einen Hingucker schaffen und das ist uns wohl auch ganz gut gelungen.“ erklärt Jörg Hinz, Geschäftsführer des auf amerikanische Produkte spezialisierten Unternehmens verschmitzt, „Rund 20 Stunden hat ein Grafiker am Design gesessen, das Anbringen der Folie hat dann noch einmal zwei Arbeitstage gedauert.“ Der Foliensatz wurde speziell für das Fahrzeug bedruckt, je nach Kundenwunsch ist prinzipiell jedes Muster, Bild oder auch jede Beschriftung als großflächige Karosserieverzierung lieferbar. Selbstverständlich ist der RAM bei den Norddeutschen auch pur erhältlich: „Wir haben uns mit einigen Händlern zusammengeschlossen und importieren unsere Fahrzeuge in größeren Stückzahlen direkt“, berichtet Hinz.

Beim Einsteigen in den RAM fällt das überarbeitete Interieuer auf: Die Bezüge der Armlehnen und das Armaturenbrett sind in diesem Modell seit 2013 mit Ziernähten versehen, wie sie früher nur bei den teuersten Ausstattungen im Luxussegment üblich waren. Überhaupt fühlt sich der Innenraum des RAM Sport ziemlich limousinenähnlich an, wenn man einmal in das geräumige Crew-Cab-Fahrerhaus hinaufgeklettert ist, das sogar ein Glas-Schiebe-Hebedach und eine elektrisch öffnende Heckscheibe bietet. Die lederbezogenen Sessel lassen sich vorn elektrisch verstellen und sind nicht nur beheizbar, sondern können bei Bedarf auch belüftet werden. Für einen Pickup – der zumindest formal ja ein Arbeitsgerät ist – beinahe übertrieben, wirkt die Lenkradheizung. Auch die Ausstattung mit elektronischen Extras liegt auf Premiumniveau. Das Uconnect Multimediasystem ermöglicht die drahtlose Einbindung von Smartphones als Musikspeicher und natürlich eine Freisprechfunktion zum Telefonieren. 

Über das Touchscreen-Display in der Mittelkonsole, das seit diesem Modelljahr 8,4 Zoll misst, werden außerdem weitere Funktionen wie Satellitennavigation und Rückfahrkamera angezeigt. Letztere erwies sich beim Einparken als Segen, denn sie ermöglichte den 5,80-m-Koloss in nur unwesentlichen längeren Parklücken zu zirkeln. Darüber hinaus darf die Weitwinkellinse am Heck als echter Sicherheitsgewinn gelten, denn sie hilft sicherzustellen, dass sich beim Zurücksetzen keine Personen hinter dem Truck befinden. Vorwärtsfahren macht natürlich trotzdem mehr Spaß, denn mit dem Hemi V8 hat der RAM reichlich Wumms: 395 PS leistet das 5,7 l Aggregat und stellt 550 Nm Drehmoment bereit. Selbst bei 2,5 Tonnen Leergewicht sorgen diese Werte für mehr als genug Schub in allen Lebenslagen. Die aufpreispflichtigeAchtgang Automatik unterstützt nicht nur die dynamischen Qualitäten des Trucks, sie hilft auch Benzin zu sparen, denn die beiden letzten Gänge sind mit 0,84 : 1 und 0,67 : 1 sehr deutlich als Overdrive ausgelegt. 

Wenn man es gemütlich angehen lässt, brummelt der V8 auf der Autobahn vergnügt vor sich hin. Will man überholen, schaltet das adaptive Automatikgetriebe mal eben zwei oder drei Gänge herunter und die Fuhre geht mit Gebrüll druckvoll nach vorn. Bei 170 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht und selbst in diesen Temporegionen liegt der RAM satt auf dem Asphalt und lässt sich problemlos in der Spur halten. Wegen des naturgemäß hohen Schwerpunkts muss die Straßenlage durch eine straffe Fahrwerksabstimmung erkauft werden, die den RAM vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten ein wenig bockig abrollen lässt. Zu diesem Effekt dürften die 305/40er Reifen auf den 23-Zoll-„Ghost“-Rädern Ihren Teil beitragen. 

Wenn man es auf der Autobahn eilig hat, schnellt, wenig überraschend, der Benzinverbrauch in die Höhe. Denn trotz der Bemühungen von Chrysler den Durst der RAM Trucks zu senken, fordern der Luftwiderstandswert und vor allem die üppige Stirnfläche irgendwann ihren Tribut. Insgesamt fielen die Trinksitten angesichts des Gewichts und der Ausmaße nach unserer Einschätzung recht zivil aus. Nicht jeder teilt allerdings unsere Meinung: „Was braucht der denn so?“ fragt der Tankstellenkassierer. „Naja, um die 13, 14 Liter. Wenn man mit Tempomat bei 110 über die Bahn gondelt, noch ein bisschen weniger“, antworten wir und rechnen bei unserem Gegenüber mit Verblüffung und Bestürzung darüber, dass nicht einmal mehr auf solch einen Riesen als Spritsäufer Verlass ist. Anstatt dessen ernten wir aufgerissene Augen und ein ernstgemeintes „Was, so viel? Braucht man so ein Auto hier überhaupt?“ Einfach nichts mehr gewöhnt die Jungs, bei denen kommen wahrscheinlich nur noch E-Bike Fahrer vorbei, die alkoholfreies Radler kaufen, danken wir uns im Stillen. „Nö!“, geben wir deswegen ganz frech zu, „Einen Porsche braucht auch kein Mensch, aber Spaß machen sie beide.“

Im Gegensatz zu einem Sportwagen hat der Ram sogar noch eine ganze Menge mehr auf dem Kasten: 603 Kilogramm Zuladung dürfen laut Werksangabe der Ladebox zugemutet werden, mehr als 2,5 Tonnen kann der RAM zeihen. Für den kleinen Einkauf zwischendurch ist der Pickup allerdings nichts, ein einzelner Bierkasten schlittert über die Ladefläche wie auf Glatteis. Bleibt noch ein kleiner Abstecher ins Gelände, weil wir für unseren Fahrbericht natürlich auch den Allradantrieb wenigstens kurz in Betrieb nehmen wollten. Daher haben wir uns zu einem Besuch beim MSC Grevenbroich eingeladen. Auf der Motocross-Strecke, die in einer Tagebaugrube gelegen ist, konnten wir den RAM ein wenig durch den Sand und Matsch lenken. Trotz der Straßenbereifung bestand keine Gefahr im losen Untergrund steckenzubleiben, im Zweifelsfall genügte ein Knopfdruck, und das Verteilergetriebe splittete die Motorkraft gleichmäßig zwischen den Achsen auf. So fand sich immer genug Grip, um es dem Pickup zu ermöglichen sich selbst zu befreien, auch wenn wir ihn für die Fotoaufnahmen mit einem Rad etwas tiefer im Sand geparkt hatten. 

Mehr als diese kleinen Off-Road-Einlagen haben wir uns nicht getraut, schließlich wollten wir nicht, dass das Monsterauto sauer auf uns wird. 
Sind ja schon gruselig irgendwie, diese Totenköpfe …
Text: Frank Mundus
Fotos: Patrick Trießl
Quelle: Chrome und Flammen 09-2013
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